| Veranstaltung: | Ordentliche Landesdelegiertenkonferenz der Jusos Sachsen am 25.04.2026 in Chemnitz |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 8.B Beschäftigung & Gute Arbeit |
| Antragsteller*in: | Jusos SOE (dort beschlossen am: 17.03.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 20.03.2026, 17:52 |
B2: Rettet unsere Zugbegleiter*innen!
Einleitung und ggf. Weiterleitung
Die Jusos Sachsen mögen beschließen und an den SPD-Bundesvorstand über den Juso-Bundeskongress, die SPD-Bundestagsfraktion sowie an die SPD-Landtagsfraktion weiterleiten:
Antragstext
Die Jusos Sachsen fordern eine grundlegende Stärkung der Sicherheit, der
personellen Ausstattung und der Aufgaben der Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter
im öffentlichen Personenverkehr.
Dazu gehört insbesondere:
1. Mehr Personal auf den Zügen
Züge im Nah- und Fernverkehr dürfen nicht dauerhaft ohne ausreichendes
Begleitpersonal verkehren. Es braucht wieder mehr Zugbegleiter*innen an Bord.
Der Personalabbau der vergangenen Jahre muss gestoppt und schrittweise
zurückgenommen werden.
2. Stärkung der Sicherheit für Personal und Fahrgäste
Die Sicherheit des Zugpersonals ist zugleich die Sicherheit der Fahrgäste.
Deshalb müssen Sicherheitskonzepte im öffentlichen Personenverkehr deutlich
verbessert werden. Dazu gehören eine stärkere Präsenz von Sicherheitskräften,
bessere Unterstützung in Konfliktsituationen sowie eine engere Zusammenarbeit
mit Sicherheitsbehörden.
3. Stärkung der betrieblichen Rolle der Zugbegleitung
Zugbegleiter*innen übernehmen weit mehr Aufgaben als Fahrkartenkontrollen. Sie
sind Ansprechpartner für Fahrgäste, sorgen für Information und Orientierung und
unterstützen den Betriebsablauf. Diese Rolle muss wieder klar gestärkt und
anerkannt werden.
4. Verbesserung der technischen und betrieblichen Unterstützung
An Bahnhöfen und Haltepunkten, an denen Züge aufgrund von Gleisbögen oder
anderer örtlicher Gegebenheiten nicht vollständig durch das Fahrpersonal
eingesehen werden können, muss wieder eine sichere Abfertigung durch Zugpersonal
ermöglicht werden. Die technischen und personellen Voraussetzungen hierfür sind
sicherzustellen.
5. Serviceorientierung im öffentlichen Verkehr stärken
Zugbekleiter*innen leisten einen wichtigen Beitrag für Information,
Unterstützung und Orientierung der Fahrgäste. Dieser Servicegedanke muss wieder
stärker in den Mittelpunkt gestellt werden.
6. Klare Trennung von Aufgabenprofilen
Zugbegleiter*innen dürfen nicht zunehmend in fachfremde Rollen gedrängt werden.
Aufgaben der Bordgastronomie müssen klar von sicherheitsrelevanten und
kundenbetreuenden Tätigkeiten getrennt werden.
7. Keine weitere Reduzierung der Personalquote
Die geplante Reduzierung des Zugpersonals – etwa im Bereich der S-Bahn Dresden –
zeigt eine problematische Entwicklung. Eine weitere Absenkung der Personalquote
gefährdet sowohl die Sicherheit als auch die Qualität des öffentlichen Verkehrs
und muss verhindert werden.
8. Abkehr von einer Sparpolitik zulasten von Sicherheit und Service
Der öffentliche Personenverkehr ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge.
Einsparungen auf Kosten von Personal, Sicherheit und Service dürfen nicht weiter
fortgeführt werden. Stattdessen müssen diese Bereiche gezielt gestärkt werden.
Begründung
In den vergangenen Jahren ist eine zunehmende Belastung und Gefährdung von Beschäftigten im öffentlichen Dienst zu beobachten. Besonders betroffen sind auch Beschäftigte im öffentlichen Personenverkehr. Zugbegleiter*innen, Lokführer*innen, Busfahrer*innen und Busfahrer*innen sowie Mitarbeitende an Bahnhöfen werden immer wieder beleidigt, bedroht oder körperlich angegriffen.
Der tragische Tod von Serkan C. hat diese Problematik besonders sichtbar gemacht. Die Gefährdung des Personals im Bahn- und Nahverkehr besteht jedoch nicht erst seit diesem Ereignis, sondern ist Ergebnis einer länger anhaltenden Entwicklung.
Über viele Jahre hinweg wurden Personal reduziert, Sicherheitsstrukturen zurückgebaut und Aufgaben der Zugbegleitung verändert oder eingeschränkt. Gleichzeitig steigen Anforderungen an Sicherheit, Service und Unterstützung der Fahrgäste.
Zugbegleiter*innen erfüllen eine wichtige Rolle im öffentlichen Verkehrssystem. Sie sind Ansprechpartner für Fahrgäste, unterstützen bei Fragen zu Anschlüssen und Fahrten, helfen mobilitätseingeschränkten Menschen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit im Zug. Darüber hinaus übernehmen sie betriebliche Aufgaben, die für einen sicheren Ablauf des Zugverkehrs erforderlich sind.
Wenn auf immer mehr Strecken Züge ohne Begleitpersonal verkehren oder Aufgaben ausschließlich auf externe Prüfdienste reduziert werden, geht dieser wichtige Bestandteil des öffentlichen Verkehrs verloren. Gleichzeitig steigt das Risiko für Konflikte und Gefährdungen sowohl für Beschäftigte als auch für Fahrgäste.
Eine Stärkung des Zugpersonals, der Sicherheitsstrukturen und der Servicequalität ist daher notwendig, um den öffentlichen Personenverkehr langfristig sicher, zuverlässig und bürgernah zu gestalten.
