| Veranstaltung: | Ordentliche Landesdelegiertenkonferenz der Jusos Sachsen am 25.04.2026 in Chemnitz |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 8.B Beschäftigung & Gute Arbeit |
| Antragsteller*in: | Jusos Neiße (dort beschlossen am: 21.02.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 27.03.2026, 18:02 |
B3: Das Handwerk
Einleitung und ggf. Weiterleitung
Die Landesdelegiertenkonferenz der Jusos Sachsen mögen beschließen, mit dem Ziel, ihn an den Landesparteitag der SPD Sachsen sowie über den Bundeskongress der Jusos an den Bundesparteitag der SPD weiterzuleiten.
Antragstext
Das Handwerk ist Rückgrat unserer Gesellschaft. Ohne Handwerker*innen gäbe es
keine Wohnungen, keine Infrastruktur, keine Energiewende und keinen
funktionierenden Alltag. Trotzdem herrschen in vielen handwerklichen Berufen
Arbeitsbedingungen, die junge Menschen abschrecken und Beschäftigte krank
machen.
Überlange Arbeitstage, körperliche Belastung, schlechte Bezahlung, desaströse
Ausbildungsqualität und fehlender Arbeitsschutz prägen in vielen Betrieben noch
immer den Alltag. Der viel beschworene Fachkräftemangel ist vor allem ein
selbstgemachtes Problem: Wer Beschäftigte schlecht behandelt, darf sich nicht
wundern, wenn sie wegbleiben.
Deshalb braucht es dringend eine Reform des Handwerks.
1. Faire Löhne und Schluss mit Lohndumping
Im Handwerk werden oft harte körperliche Tätigkeiten mit niedrigen Löhnen
kombiniert. Das ist nicht akzeptabel.
Wir fordern:
- Flächendeckende Tarifbindung in allen Handwerksbranchen.
- Einen allgemeinverbindlichen Branchentarifvertrag für jedes Gewerk.
- Keine Bezahlung unter Tarif – auch nicht für Subunternehmen.
- Konsequentes Vorgehen gegen Schwarzarbeit und Scheinselbstständigkeit,
insbesondere auf Baustellen.
- Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – unabhängig von Herkunft oder
Vertragsform.
- Keine Unterschiede mehr zwischen Bauhauptgewerbe und Baunebengewerbe
Handwerkliche Arbeit muss wieder ein Beruf sein, von dem man gut leben kann!
2. Arbeitszeiten im Handwerk menschwürdig gestalten
Wir fordern:
- Klare Begrenzung der täglichen Arbeitszeit auf maximal 8 Stunden als
Regelfall, plus eine schrittweise Einführung einer 35h Woche.
- Gesetzliche Pflicht zur elektronischen Arbeitszeiterfassung in allen
Betrieben, und das nicht nur auf dem Papier.
- Bezahlung oder Ausgleich sämtlicher Überstunden.
- Verbindliche Ruhezeiten, insbesondere im Bau-, Montage- und
Kundendienstbereich.
- Keine Sonntagsarbeit außer in echten Notfällen.
- Qualität statt Quantität
Dauerstress darf nicht weiter Normalzustand im Handwerk sein!
3. Konsequenten Arbeitsschutz statt
Handwerk bedeutet körperliche Arbeit – aber niemand darf dabei kaputtgehen.
Wir fordern:
- Deutlich strengere Kontrollen auf Baustellen und in Werkstätten.
- Verbindliche Bereitstellung moderner Schutzausrüstung durch
Arbeitgeber*innen.
- Verpflichtende Sicherheitsunterweisungen – auch für Aushilfen und
Auszubildende.
- Harte Strafen bei Verstößen gegen Arbeitsschutzregeln.
- Spezielle Schutzprogramme für ältere Beschäftigte im Handwerk.
Gesundheitsschutz muss wichtiger sein als Termindruck!
4. Ausbildung im Handwerk grundlegend reformieren
Zu viele Ausbildungen im Handwerk sind geprägt von, ausbildungsfremden
Tätigkeiten, schlechten Ausbildungsvergütungen, Überstunden ohne Ende, und
fehlender Betreuung bzw. Missachtung.
Das schreckt junge Menschen ab und zerstört Zukunftschancen.
Wir fordern daher:
- Ein echtes Verbot, Auszubildende als billige Hilfskräfte einzusetzen.
- Eine deutlich höhere Mindestausbildungsvergütung im Handwerk.
- Kostenfreie Bereitstellung von Werkzeug, Arbeitskleidung und
Lehrmaterialien.
- Verpflichtende Ausbilder*innen-Qualifikationen und regelmäßige
Qualitätskontrollen.
- Ein unabhängiges Beschwerdesystem für Azubis außerhalb der
Handwerkskammern.
- Ebenso müssen die Lehrpläne neugestaltet werden, Themen müssen zur
Ausbildung passen, die man macht.
Ausbildung muss Lernen sein – nicht Ausbeutung!
5. Handwerk zukunftsfähig machen
Das Handwerk steht vor großen Aufgaben wie Klimaschutz, Fachkräftemangel und
Digitalisierung. Diese dürfen nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen
werden.
Wir fordern:
- Weiterbildung während der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich.
- Staatliche Investitionen in moderne Maschinen und sichere Arbeitsplätze.
- Förderung von Frauen, Migrant*innen und queeren Menschen im Handwerk.
- Programme gegen Diskriminierung und toxische „Baustellenkultur“.
Ein modernes Handwerk braucht moderne Arbeitsbedingungen!
Begründung
Das Handwerk ist unverzichtbar für unsere Gesellschaft, leidet jedoch unter schlechten Arbeitsbedingungen. Niedrige Löhne, lange Arbeitszeiten, mangelnder Arbeitsschutz und häufig schlechte Ausbildungsbedingungen machen viele Berufe unattraktiv. Der Fachkräftemangel ist daher zu großen Teilen hausgemacht.
Besonders in der Ausbildung werden junge Menschen oft als günstige Arbeitskräfte eingesetzt, statt qualifiziert ausgebildet zu werden. Gleichzeitig fehlen faire Bezahlung, verlässliche Arbeitszeiten und ausreichender Gesundheitsschutz.
Um das Handwerk zukunftsfähig zu machen und ausreichend Fachkräfte zu gewinnen, braucht es bessere Arbeitsbedingungen, faire Löhne und eine qualitativ hochwertige Ausbildung. Nur so kann das Handwerk seine zentrale Rolle für Wirtschaft, Klimaschutz und Infrastruktur erfüllen.
Änderungsanträge
- Ä1 (Jusos Mittelsachsen (dort beschlossen am: 07.04.2026), Eingereicht)
