| Veranstaltung: | Ordentliche Landesdelegiertenkonferenz der Jusos Sachsen am 25.04.2026 in Chemnitz |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 5.1.4 Wahl der stellv. Landesvorsitzenden |
| Antragsteller*in: | Julian Schildhauer |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 12.04.2026, 19:00 |
StV2: Julian Schildhauer
Selbstvorstellung
Liebe Genoss*innen,
ich möchte mich erneut im sächsischen Juso-Landesvorstand als stellvertretender Vorsitzender engagieren und gemeinsam mit Euch für klare linke, sozialistische Positionen innerhalb der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands sowie hier in Sachsen kämpfen.
I Am That I Am – “I don't owe no one no obligation
No one owe me none
So everything is fine, fine” [Peter Tosh – Album: Equal Rights]
Kurz zu mir:
Ich bin Julian und werde in diesem Jahr 23 Jahre alt. Aktuell absolviere ich eine Ausbildung zur Pflegefachkraft an einem Maximalversorger in Leipzig. Derzeit lebe ich noch im nördlichen Teil Sachsens.
Neben meinem politischen Engagement bei den Jusos bin ich Beisitzer in der AG Migration & Vielfalt der sächsischen SPD. Abseits der Parteiarbeit engagiere ich mich außerdem bei den Johannitern (Leipzig/Nordsachsen) sowie bei No Team, No Medicine, einer interdisziplinären Hochschulgruppe aus Medizinstudierenden und Auszubildenden aus Gesundheitsberufen.
Vor allem aber bin ich stolzes Mitglied der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft [ver.di]. Dort unterstütze ich die Betriebsgruppe am Universitätsklinikum Leipzig und die ver.di Jugend Leipzig/ Nordsachsen.
Wer noch mehr über mich erfahren möchte, kann mich gerne privat anschreiben oder mich auf den nächsten Veranstaltungen einfach ansprechen.
Meine politischen Schwerpunkte
- Arbeit & Soziales
- Gesundheitspolitik & Bildung
- Antirassistische und antifaschistische Arbeit
Meine Skills
- Vernetzung (mit Bündnissen, Jusos-UBs/LVs bzw. Bezirke, Gewerkschaften etc.)
- Social-Media-Arbeit
- Bildungsarbeit
Um die wichtigste Juso-Frage gleich zu beantworten:
Wenn der Sozialismus ein Tier wäre, dann wäre es der Kaiserpinguin.
Er überlebt in einer lebensfeindlichen Umwelt nur durch Solidarität. Bei extremen Schneestürmen mit Temperaturen zwischen −33 °C und −50 °C bilden Kaiserpinguine große „Wärmekreise“, in deren Zentrum Temperaturen von bis zu 31 °C erreicht werden können. Ohne Gemeinschaft kein Überleben.
Sensibel – „Für meine Brüder, die sich hier wie Fremde fühlen
Man kann nicht immer schweigen, kann sich nicht mit jedem prügeln“ [KIZ – Album: Görlitzer Park]
Nach einem anstrengenden Spätdienst stand ich am Gleis 9 im Leipziger Hauptbahnhof. Plötzlich kam eine dunkel gekleidete Person auf mich zu. Nichtsahnend blieb ich stehen, mit dem Gefühl, dass gleich etwas passieren würde. Die Person sprach mich an, und im Gespräch wurde deutlich, dass sie einen Migrationshintergrund hatte.
Nach einem kurzen Austausch erzählte er mir von einem Bewerbungsgespräch in Chemnitz und den damit verbundenen Ängsten. Es ging um Rechtsextremismus und Alltagsrassismus in Sachsen & Brandenburg. Diese Sorgen konnte ich in diesem Moment sehr gut nachvollziehen. Sie erinnerten mich unmittelbar an ein Ereignis vor der letzten LDK in Pirna.
Damals stieg ich nichtsahnend in den Regionalexpress nach Leipzig, um rechtzeitig meinen Anschluss zu erreichen. Beim Betreten des Zuges stellte ich mit starkem Unbehagen fest, dass der Zug nahezu vollständig mit stramm rechten „Energie‑Cottbus“-Hooligans besetzt war. Zum Glück ist damals nichts passiert.
Zurück zu dem Gespräch am Bahnsteig: Für den Moment konnte ich ihn beruhigen. Dennoch hat mich dieses kurze Gespräch lange beschäftigt – besonders als Mensch, der selbst eine Migrationsgeschichte hat und politisch aktiv ist.
Es macht mich persönlich wütend, wenn SPD‑Politiker*innen nur über Personen mit Migrationsgeschichte/ -hintergrund sprechen, anstatt mit den betroffenen Menschen selbst. Besonders problematisch ist es, wenn Migration lediglich als Mittel gegen den Fachkräftemangel – etwa in der Pflege – oder als Antwort auf den demografischen Wandel betrachtet wird.
Entsetzt und enttäuscht bin ich zudem über den restriktiven Asylkurs der Bundes‑SPD sowie das Abstimmverhalten sächsischer MdBs beim Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte oder beim GEAS‑Anpassungsgesetz.
Im neuen Landesvorstand möchte ich daher das Thema Migration sowie die Perspektiven von BIPoC und Migras deutlich stärker in den Fokus rücken als bisher.
Meine Ideen und Anliegen
- Fortführung der Ost‑BIPoC‑Vernetzung mit den östlichen Juso‑Landesverbänden [Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen + Berlin]
- Einführung eines Black History Month bei den Jusos Sachsen
- Weiterentwicklung der Critical‑Whiteness‑Seminare auf Landes- und Bundesebene
- Enge Zusammenarbeit mit der SPD‑AG Migration & Vielfalt sowie mit Bündnissen und Vereinen
Klassenkampf & Kitsch – „Wir ham kein Verteilungsproblem zwischen arm und arm
Wir ham eins zwischen unten und oben“ [Disarstar – Album: Klassenkampf & Kitsch]
In diesem Winter fanden die Tarifverhandlungen zum Tarifvertrag der Länder (TV‑L) statt – ein harter Kampf. Neben der winterlichen Kälte mussten wir gegen eine ebenso kalte und unsoziale Austeritätspolitik der Länder und des Bundes ankämpfen. Von Arbeitgeberseite war kein ernsthaftes Entgegenkommen gegenüber den hart arbeitenden Beschäftigten zu erwarten.
Dennoch konnten wir gemeinsam ein akzeptables Ergebnis erstreiten. Nur gemeinsam ging mehr.
Besonders im Gedächtnis blieb mir dabei der sächsische Finanzminister Christian Piwarz (CDU), einer der hartnäckigsten Gegner. Sein Mantra – „Wir haben kein Geld“ – prägt nicht nur Tarifverhandlungen, sondern auch die Politik in Sachsen insgesamt.
Die Folgen dieser Politik sind offensichtlich: ein ausgedünnter S‑Bahn‑Takt der S-Bahn Mitteldeutschland ab 20 Uhr, massive Kürzungen in der Bildung und Kultur wie z.B. die 16 Mio. Euro Einsparungen an der Universität Leipzig oder reduzierte Mittel für Oper, Schauspiel und Gewandhaus auf kommunaler Ebene.
Diese Obsession mit schwarzen Zahlen ist pathologisch. Die einzigen schwarzen Nullen, die ich sehen möchte, sind diejenigen bei den Mitgliederzahlen der CDU Sachsen.
Auch die Rolle der sächsischen SPD bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück. Es gibt Fortschritte – etwa drei Tage Bildungsurlaub –, doch insgesamt wird oft lediglich der Status quo verwaltet. Statt Innovation und sozialem Aufbruch dominiert das Credo: „Ohne uns würde es schlechter gehen.“
Unser Anspruch muss aber sein: „Mit uns geht es besser!“
Dementsprechend möchte ich mit euch einen klareren, sozialistischeren Klassenkampf führen – als Gewerkschafter und als Mitglied einer Partei, die das Wort „sozial“ nicht nur im Namen tragen darf.
Meine Ideen und Anliegen
- Engere Zusammenarbeit mit Gewerkschaftsjugenden und linken Bündnissen
- Mehr Präsenz bei Warnstreiks, nicht nur am 1. Mai
- Ausbau linker Bildungsarbeit innerhalb der Jusos
- Stärkeres Wirken in die Partei hinein
- Mindestens einen Arbeiter*innenlieder-Abend organisieren
Jugendwort des Jahres – „Und pöbeln vom Nebentisch, bis das Jugendwort des Jahres Arbeiterverräter ist
Ja, hier wird die SPD gedisst, bis das Jugendwort des Jahres Arbeiterverräter ist
Neoliberalen eine kleben, bis das Jugendwort des Jahres Arbeiterverräter ist“ [Waving the Guns – Album: Zwischen Wand und Tapete“
Die Lage der Sozialdemokratie in Deutschland ist alarmierend. Die letzten Landtagswahlen in Baden‑Württemberg und Rheinland‑Pfalz waren deutliche Niederlagen. In einem Bundesland kämpft man ums politische Überleben, im anderen verliert man trotz populärem Spitzenkandidaten.
Auf Bundesebene liegt die SPD laut Umfragen bei nur 12 bis 16 Prozent. Für eine ehemalige Volkspartei mit starken Wurzeln in der Arbeiter*innenbewegung ist das beschämend und besorgniserregend zugleich.
Warum erreicht die SPD die Menschen nicht mehr? Ist sie überhaupt noch eine Arbeiter*innenpartei?
Ein zentraler Grund liegt im konservativ‑neoliberalen Kurs der Parteiführung und des Seeheimer Flügels. Aussagen wie „Wir werden mehr arbeiten müssen“ von Lars Klingbeil, Überlegungen zur Mehrwertsteuererhöhung oder zur Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartner*innen stoßen bei Beschäftigten auf berechtigte Ablehnung.
Hinzu kommt ein widersprüchliches politisches Profil: Einerseits progressive Forderungen wie die Reform der Erbschaftsteuer, andererseits massive Verschärfungen beim Bürgergeld. Diese Zerrissenheit zwischen progressiven und konservativ-neoliberalen Inhalten ist offensichtlich.
Als Jusos müssen wir deshalb weiterhin der linke Anker dieser Partei sein und unsere Positionen lauter, sichtbarer und konsequenter vertreten.
Meine Ideen und Anliegen
- Präsenz zeigen – digital und analog
- Konsequenter Einsatz für soziale Themen innerhalb und außerhalb der Partei
- Ausbau innerparteilicher Bildung und Aufbau einer Juso‑Workshop‑Bibliothek
- Mehr Jusos in SPD‑Gremien bringen und unterstützen
- Sozialistische Mehrheiten und Hegemonien innerhalb der SPD aufbauen
All diese Themen möchte ich gemeinsam mit Euch im neu gewählten Landesvorstand angehen. Ich freue mich auf eine spannende LDK und vor allem auf viele stabile Jusos sowie die gemeinsame politische Arbeit, die in den kommenden Wochen und Jahren vor uns liegt.
Glück Auf!
Julian
- Alter:
- 22
- Geschlecht:
- m
- Tätigkeit:
- Azubi zur Pflegefachkraft
